Wir ernten, was wir säen.

Gift ist in aller Munde – und das im wortwörtlichen Sinne, denn der „Vorfall“ um das dioxinvergiftete Tierfutter wird ordentlich durch´s mediale Dorf getrieben. Die Verbraucher sind verunsichert („Was darf man noch essen?“), die Politiker sind empört („Wer ist schuld?“) und die Produzenten fühlen sich getäuscht („Warum wurden die Zulieferer nicht besser kontrolliert?“).

Zum Glück geht aber alles seinen geregelten Weg: viele der zigtausend gesperrten Betriebe wurden wieder freigegeben, Frau Aigner fordert Lösungvorschläge von der Industrie, und durch verstärkte Kontrollen kommen zumindest in der nächsten Zeit nur noch unbedenkliche Futterfette auf den Markt. Also alles wieder ruhig in der Republik.

Äh, Moment mal … wie, Futterfette? Was bitte sind Futterfette? Fressen die Tiere nicht Grünfutter, Mais und Getreide? – Schon lange nicht mehr! Denn die künstlich hochgezüchteten Lebendproduktionsmaschinen brauchen ebenso künstliches Futter und eine Hochleistungsveterinärmedizin. Und die schon bald zurückkehrende Ruhe basiert auch nicht auf einer wie auch immer gearteten vernünftigen landwirtschaftlichen Produktion, sondern darauf, dass alle Beteiligten die derzeitigen Praktiken genau so beibehalten wollen.

Wir wollen offensichtlich in der Matrix leben und haben die Wahl zwischen der roten und der blauen Pille längst getroffen. Und so wird es einen Skandal nach dem anderen geben, eine flurbereinigte Landschaft nach der anderen wird in Monokulturen ersticken. Die Biodiversität wird weiter rasant abnehmen, genauso wie der Vitamingehalt in den Lebensmitteln und der Ladenpreis, den die Verbraucher zu zahlen bereit sind. Wenn die hiesigen Bauern reihenweise aufgeben und von Agrarkonzernen geschluckt werden, die wiederum selbst im Wettrennen mit Billigstanbietern aus Fernost stehen und den skrupellosen Spekulanten an den Lebensmittelbörsen ausgeliefert sind, dann ist es nicht verwunderlich, dass Ökosysteme kippen, Bienen verschwinden und Fischbestände zusammenbrechen. Wir ernten, was wir säen!

Nebenbei bemerkt: Unsere Generation (und vielleicht ein paar folgende) hat noch das Privileg,  gesundes und unbelastetes Mineralwasser trinken zu dürfen, aber das wird nicht immer so bleiben, denn früher oder später werden die hochgiftigen Toxine der 60er und 70er Jahre, die heute längst verboten sind, in den Mineralwassertiefen angelangt sein, ich erinnere nur an DDT, E605, etc.

Aber es geht auch anders, nämlich mit ökologischer Landwirtschaft als Basis einer zukunftsfähigen Gesellschaft. Hier eine Zusammenfassung der wesentlichen Eckpunkte ökologischer Produktion (Danke an Rudi Henauer):

1. Kein Einsatz von Gentechnik

2. Keine Pestizide, Fungizide, Herbizide beim Anbau. Diese landen nicht nur im Lebensmittel selbst, sondern vernichten auch nützliche Insekten und Kräuter und verseuchen das Grundwasser.

3. Keinen Kunstdünger, der ebenfalls im Grundwasser oder in den Flüssen landet und dort durch Eutrophierung zu massenhaftem Algenwachstum führt, was das Umkippen der Gewässer beschleunigt. Anstatt mit Stickstoff zu düngen, werden natürliche Stickstoffsammler wie zum Beispiel Leguminosen angepflanzt.

4. Die Tiere, die zur Fleischgewinnung gehalten werden, wachsen unter komplett anderen Bedingungen auf: Frischluft, Auslauf, gesundes Futter (nicht gentechnisch verändert), keine Antibiotika, keine Wachstumshormone, keine Massentierhaltung und damit zum Teil einher gehendem Kannibalismus, kein Ausbrennen der Hörner bei Kälbern, es werden robuste Tierrassen eingesetzt, die auch ohne Medikamente gesund sind und nicht nur Milchproduktionsmaschinen sind und zum Teil nicht mehr laufen können, weil die Euter so groß sind oder überzüchtete Puten, die so eine große Brust haben, dass sie ständig vornüber kippen.

Die Anbauverbände Bioland, Naturland, demeter, Biokreis etc. schreiben genau vor, wie gewirtschaftet werden darf und wie nicht! Als kritisch sind die EU-Biorichtlinien einzuschätzen, sie lassen zu viele Ausnahmen zu. Also, wenn schon bio, dann richtig, sprich von den bewährten Anbauverbänden. Die Einhaltung der Anbaurichtlinien und Bioqualität werden wiederum von unabhängigen Instituten untersucht (Einhaltung der Vorgaben, Besichtigung vor Ort, Probenentnahme und -analyse, gegebenenfalls Abmahnung der Betriebe oder auch Ausschluss bei wiederholten Verstößen).

Die sich daraus ergebenden positiven Folgen ökologischer Landwirtschaft sind unter anderem:

  • durch den Verzicht auf Kunstdünger und Pestizide wird das Grundwasser geschützt
  • durch Fruchtfolgen und extensive Landwirtschaft wird die natürliche Flora und Fauna erhalten
  • die Böden sind deutlich vitaler und weisen wesentlich mehr Mikroorganismen und Kleinstlebewesen auf
  • höhere Vitamin- und Mineralstoffdichte in den Lebensmitteln
  • höherer Gesundheitswert durch erhöhten Anteil an sekundären Pflanzenstoffen
  • Biolebensmittel halten sich deutlich länger frisch, da sie nicht künstlich aufgepumpt und gepeppt sind

Nicht zufällig ist der Großteil der im konventionellen Bereich eingesetzten Stoffe bei der Verarbeitung bei der Bioverarbeitung verboten: künstliche und naturidentische Aromen, künstliche Farben, Konservierungsstoffe, Glutamat, Rieselhilfen … eine Vielzahl von Stoffen, von denen es keine Langzeitstudien gibt.
(Details unter http://www.code-knacker.de/lebensmittelzusatzstoffe.htm )

Liest sich das nicht wie eine Welt, in der wir alle gerne leben möchten? Worauf warten wir also? Jeder von uns kann etwas zu dieser Welt beitragen:

  • kaufe Bio-Lebensmittel (regional und saisonal)
  • beteilige Dich an einer Lebensmittelkooperative und unterstütze damit regionale Biobauern
  • lege einen Hinterhof- oder Grünstreifengarten an und bringe Natur zurück in die Stadt
  • gestalte Deinen Garten zum Naturgarten um und schaffe damit Nützlingen neuen Lebensraum
  • werde Imker oder unterstütze lokale Imker (durch Honigkauf und/oder Stellplätze für Bienen)

Welche Möglichkeiten fallen Euch noch ein? Was macht Ihr schon, womit wollt Ihr zukünftig anfangen?

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