Stadtimker zu Besuch bei Prof. Tautz mit der Bienenkugel

  Besuch bei Professor Tautz

 Durch den Bericht des Bayerischen Rundfunk über die Bienenkugel im Sommer 2013 hatte sich der Kontakt zwischen Andreas Heidinger und Herrn Prof. Tautz ergeben. Nach vielen Emails und Telefonaten stand fest, Herr Tautz wollte die Bienenkugel und deren Konstrukteur Andreas Heidinger persönlich kennenlernen. Und so ergab sich die seltene Gelegenheit, Herrn Prof. Tautz auf dem Campus der Uni Würzburg zu besuchen.

Am Montag den 09.12.2013 machten wir uns auf den Weg von München bzw. Dachau in das ca. 300 km entfernte Würzburg. Mit dabei waren Max Böhm, der 16jährige Bienenkugel-Imker aus Weßling bei München und ich, Ronny Andrä von den Münchner Stadtimkern.

Angekommen auf dem Unigelände, empfing uns Herr Prof. Tautz herzlich. Weiterhin nahmen an diesem Treffen Herr Groß, Leiter der Bienenanstalt von der Landwirtschaftlichen Hochschule Triesdorf und als interessierter Zuhörer Gerhard Heidinger, der Bruder von Andreas Heidinger, teil.
Ziel unseres Treffens war es, anhand der Erfahrungen von Herrn Prof. Tautz Rückschlüsse auf eine ähnliche Wärmeuntersuchung an der Bienenkugel zu ziehen, welche durch die Uni Triesdorf durchgeführt werden soll.

Zu aller erst stellte Herr Prof. Tautz voller Leidenschaft sein HOBOS (HOney Bees Online Studies) Projekt vor. Bei dem HOBOS Projekt handelt es sich um eine komplett verkabelte Bienenbeute, die mit unzähligen Sensoren, Kameras, einem Internetanschluss und einer Wärmebildkamera ausgestattet ist, um so das Leben der Bienen genauestens zu erforschen. Die Messergebnisse der Sensoren sowie die Bilder und Videos der Kameras sind für jeden, der sich auf der HOBOS-Seite registriert, in vollem Umfang zugänglich. Zusätzlich werden die Ergebnisse auf der Seite in unterschiedlichen Zielgruppen-Rubriken alters- und bildungsgerecht aufbereitet. Der Wunsch des Professors ist es, die Biene wieder mehr in den Fokus des Unterrichts zu rücken und sie interdisziplinär in die verschiedensten Unterrichtsfächer zu integrieren.

Darüber hinaus kann natürlich jeder Interessierte selbst Forschen und beispielsweise die Messkurven der Gewichte, Temperaturen, Luftfeuchten und Ein- und Ausflüge nach Belieben vergleichen. Der Professor demonstrierte uns das an einem Beispiel und legte für uns die Temperaturkurve der mittleren Wabengassen und die Außentemperaturkurve des letzten Winters übereinander. Und zu unserem völligen Erstaunen konnten wir erkennen, dass Bienen in der Winterkugel nicht, wie wir vermutet hatten, konstant heizen sondern impulsartig.

Nach einer kleinen Mittagspause stellte Andreas Heidinger seine Bienenkugel vor. Herr Prof. Tautz war sehr interessiert. Insbesondere die Entstehungsgeschichte der Bienenkugel hatte es ihm angetan. Immerhin sind nach 2 Jahren Erfahrung mit der Bienenkugel viele neue Erkenntnisse über die Bienenhaltung gewonnen worden. In der jetzigen 4. Bienenkugel-generation sind die „Kinderkrankheiten“ beseitigt und die Bienenkugel kann heute in kleinen Serien hergestellt werden. Für Herrn Prof. Tautz war Andreas Heidinger Vorgehensweise wieder einmal ein Beweis dafür, dass es wichtiger denn je ist, Probleme aus den unterschiedlichsten Wissenschaftsgebieten zu beleuchten um dann die Erkenntnisse entsprechend zusammenzuführen.

Andreas Heidinger fing vor zwei Jahren an Abkühlsimulationen an unterschiedlichen Geometrieformen, wie Kugel und Quader, vorzunehmen. Wie es ihn seine berufliche Erfahrung als Techniker für einen Motorenhersteller schon vermuten ließ, war die Kugel die optimalste Form, um ein Volumen mit möglichst wenig Fläche einzuschließen. Dies wiederum bedeutet, dass wenn weniger Oberfläche vorhanden ist, dann ist auch weniger Fläche zum Auskühlen vorhanden. Des Weiteren gibt es auch keine kühlen Ecken mehr, wie wir sie beispielsweise aus der eigenen Wohnung, vor allem im Winter, kennen. In denen es, Aufgrund von Wasser-Kondensation, im schlimmsten Fall zu Schimmelbildung kommen kann. So wurde also die Brücke von der Gusssimulation für Motoren zur neuen kugeligen Beutenform geschlagen.

Andreas Heidinger und Max Böhm fuhren dann fort mit ihren ersten positiven Erfahrungen, die sie und einige andere Imker bis jetzt mit den Bienenkugeln sammeln konnten. Der Professor fand großen Gefallen an den Erzählungen und begeisterte sich sehr für die ausgeklügelte Holzkonstruktion.
So verging die Zeit unglaublich schnell und von uns völlig unbemerkt war der Nachmittag vergangen. Langsam mussten wir unseren Heimweg antreten.

Die Zeit reichte aber noch aus, um uns mit Herrn Groß auszutauschen und ihm notwendige Informationen für das Forschungsprojekt an der Hochschule Triesdorf bereitzustellen. Mit diesem Hintergrundwissen kann nun Herr Groß gemeinsam mit seinen Studenten noch diesen Winter beginnen, drei Bienenkugeln mit entsprechenden Sensoren zu präparieren. So kann erfreulicherweise bereits in der kommenden Bienensaison 2014 mit Ergebnissen und Auswertungen gerechnet werden.

Dieser inspirierende Tag ging viel zu schnell vorbei. Für Alle Beteiligten war klar, dass noch viele gemeinsame interessante Projekte entstehen werden.

weiterführende Links
www.hobos.de
www.bienenkugel.de

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