Umsiedlung

Nachfolgend zeigen wir anschaulich mit Bilder, wie eine Umsiedlung eines noch relativ jungen Wespenvolkes funktionieren kann. Wir weisen explizit darauf hin, dass Umsiedlungen nur von entsprechend geschulten Personen durchgeführt werden sollte, da auch kleine Fehler zum Misserfolg führen können. Jedes Wespenart ist unterschiedlich und darüber hinaus ist auch noch jede Situation bei einer solchen Umsiedlung verschieden, sodass nie einfach nach Schema F vorgegangen werden kann.

Hier das Nest von Sächsischen Wespen (Dolichovespula saxonica) unter einem Holztisch auf einem Balkon. Diese Wespenart ist eher harmlos und interessiert sich nicht für unsere Speisen oder Getränke. Trotzdem kommt es hier leicht zum Konflikt, wenn es beim Benutzen des Tisches zu Erschütterungen am Nest kommt.

Für die Umsiedlung wurde zuvor ein passender Karton ausgewählt uns präpariert. Der Becher dient dazu das Nest fixieren zu können, während mit dem Spachtel selbiges vom Holztisch abgetrennt wird.

Alles liegt bereit, jetzt kann es losgehen. Der auf den aktuellen Nestumfang maßgefertigte Becher kann nun vorsichtig über das Nest gestülpt werden. Die sich im Nest befindlichen Verteidigerinnen kommen so nicht zum Zug.

Das Nest wird nun möglichst vorsichtig vom Holz gelöst und mit dem Spachtel die obere Öffnung des Bechers direkt verschlossen.

Ein kritischer Punkt ist erreicht. Das filigrane Nest muss nun auf den Kopf gestellt und exakt über dem Loch im Deckel des Kartons geschoben werden. Hierbei ist äußerste Vorsicht geboten, da es sonst zu einer unnötigen Beschädigung des Nestes kommen kann.

Mit Heißkleber wird das Nest nun von unten mit dem Karton fest verbunden. Das Nest besteht aus zerkauten Holzfasern und kann daher mit Heißkleber fixiert werden, was beispielsweise bei Bienenwaben aus Wachs problematisch sein dürfte.

Nun kann der Karton geschlossen werden, um eine sicher Transportumhüllung für das Nest zu haben.

Da eine Umsiedlung sinnvollerweise immer bei Tageslicht stattfindet, sind in der Zwischenzeit natürlich ein paar Arbeiterinnen zurückgekommen und drehen nun verwirrt kreise um die Stelle, wo früher das Nest hing. Diese sollten mit einem Schmetterlingsnetz oder ähnlichem gefangen und möglichst gleich in die Schachtel überführt werden.

Nach dem Transport zum Zielort wird der Becher mithilfe des Fadens angehoben und somit der ganze Karton für die Wespen freigegeben. Im gleichen Zuge muss dann der gesamte Karton auch wieder umgekehrt werden, sodass das Nest wieder richtig herum an der Decke hängt.

Der Karton wird dann in dieser Position entsprechend befestigt. Der Karton sollte nicht unbedingt im Wind schaukeln, sondern besser stabil an einer Hauswand fixiert werden. Ein Dachvorsprung zum Regenschutz ist ideal. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase von ein bis zwei Tagen sollte dann der Karton weiter geöffnet werden. Die Sächsischen Wespen nisten normalerweise nicht im dunkeln und so kann dann auch der Becher entfernt und Platz geschaffen werden.

Das Nest kann sich nun am neuen Ort bis in dem späten August entwickeln. Um diese Zeit ist der kurze Zyklus der Sächsischen Wespe dann auch schon wieder vorbei und das Nest wird bald verlassen sein.

Dank an Felix für die Unterstützung bei dieser Aktion und die tollen Bilder!

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